Patrik Spiesecke // Fotografie & Blog

Interview #2 – Bettina Güber

Irgendwann, ich kann gar nicht mehr genau sagen wann und warum, habe ich Bettina auf behance kennengelernt und wir sind irgendwie ins Gespräch gekommen. Es muss jetzt so ziemlich ein Jahr her sein. Damals war ich noch recht neu bei behance und kannte das Portal kaum. Ich war oder bzw. bin noch immer, fasziniert von der Anzahl, der Qualität und der Ideen der Projekte, die Bettina regelmäßig auf behance veröffentlicht. Daher musste ich nach dem Interview mit Sven Quandt direkt an sie denken und bereitet ein paar Fragen für Bettina vor, um sie und ihre Projekte vorzustellen. Hier sind ihre Antworten:

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Wie würdest du dich selbst in ein paar kurzen Sätzen beschreiben? 

Ich wurde Ende 1965 (kurz vor Weihnachten, ganz schlechtes Timing meiner Eltern) in Krefeld am schönen Niederrhein geboren – und bin da auch bis heute ‚kleben geblieben’. Ich arbeite als eine Art Mediengestalterin (wie man es heutzutage so klangvoll nennt), das heisst, ich bin zuständig für alles, was bei meinem Arbeitgeber an die Öffentlichkeit soll – Verkaufsflyer, Broschüren, Newsletter, etc.

Dein Steckenpferd ist die Fotografie. Wie fing alles an?

Seltsamerweise kann ich das selbst nicht mehr so genau rekonstruieren. Meine erste digitale Spiegelreflexkamera habe ich mir 2009 nur für einen bestimmten Zweck zugelegt – ich war auf eine Hochzeit in Istanbul eingeladen und habe mir gedacht, dass das unbedingt fotografisch festgehalten werden muss. Und so habe ich dann auf ‚Automatik’ gestellt und wild drauflos geknipst…und danach verschwand die Kamera wieder im Schrank. Ich weiß nicht mehr, was mich Mitte 2012 dazu bewegt hat, sie wieder herauszukramen…oder ob ich nur beim Aufräumen zufällig wieder auf die Kamera gestoßen bin (was jetzt nicht gerade für den einwandfreien Zustand meiner Schrankinhalte spricht) – jedenfalls hat mich dann auf einmal die Leidenschaft erwischt.

Deine Aufnahmen konzentrieren sich meistens auf die kleinen Dinge. Was fasziniert dich daran so?

Das Aufnehmen der kleinen Dinge hat einen besonderen Hintergrund. Ich habe die Fototasche meines verstorbenen Vaters (ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf) nach Objektiven durchsucht und bin auf eine 105mm Festbrennweite gestoßen. Da ich mich beim Kauf meiner Kamera an seine Leidenschaft für Nikon erinnert und mir deswegen auch eine ebensolche zugelegt hatte, passte dieses Objektiv seiner analogen Kamera (er hat leider das Zeitalter der digitalen Fotografie nicht mehr erlebt) auf meine digitale. Tja, und was nimmt man mit diesem Objektiv auf? Kleine Dinge. Und da war es dann um mich geschehen. Mich fasziniert dieses Entdecken von Details, die man mit dem bloßen Auge nicht wahrnimmt. Manchmal sehe ich sie nicht einmal beim Fotografieren – sondern erst, wenn ich mir hinterher die Fotos anschaue. Das ist das wunderbare an der Makrofotografie. Und sehr oft offenbart sich dadurch Schönes und Faszinierendes, das man mit dem bloßen Auge gar nicht als schön empfindet. Was oftmals bei Insekten und Spinnen der Fall ist.

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Ich finde ja persönlich „Forest Creatures“ ein sehr kreatives Projekt von dir. Wie kommst du auf solche Projekte/Ideen?

Das ist wohl das Spielkind in mir. Wir kennen ja alle diese Kastanienmännchen, die wir als Kinder gebastelt haben…wahrscheinlich habe ich mich daran erinnert. Ich hatte vor den ‚Forest Creatures’ schon zwei andere ‚Bastelserien’ mit Blüten und Blättern und Zweigen fotografiert. Und bei den ‚Forest Creatures’ haben die Kastanien den Anstoß gegeben: Die Hüllen, die überall herumlagen, sahen schon wie kleine Gesichter mit Bärten oder wilden Haaren aus…ok, ich gebe zu, ich habe eine sehr ausschweifende Phantasie :-)) Und die nächste ‚Bastelserie’ ist auch schon in Planung.

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Wo findest du deine Motive? Bzw. wo fotografierst du am liebsten? 

Eines meiner Lieblingsmotive sind ja Blumen und Knospen – also nicht schwer zu finden und ich trage wesentlich zur Erhaltung der Blumenläden in Krefeld bei. Denn am allerliebsten fotografiere ich Blumen mittlerweile nicht mehr inmitten der Natur, sondern einzeln, um sie noch besser zur Geltung zu bringen. Ich glaube, ich habe sie schon auf jede erdenkliche Art und Weise festgehalten…aber sie haben nach fast drei Jahren immer noch nicht ihre Faszination für mich verloren – und am schönsten finde ich sie, wenn sie verwelken, weil sie dann so besonders zart und zerbrechlich sind. Und ansonsten fotografiere ich am liebsten ‚Kleinzeug’ wie Insekten oder Spinnen oder Pilze oder Knospen –  im eigenen Garten, in Parks und in Wäldern. Und zwischendurch brauche ich zur Abwechslung lustige Serien, wie die ‚Pets’ – die fotografiere ich dann natürlich in ihrer gewohnten Umgebung, nämlich zuhause :-) Ebenso wie die Stilleben, die ich mir zwischendurch vornehme.

Wichtig ist für mich mittlerweile auch die Bildbearbeitung, der ich immer viel Zeit widme. Ich verwende sehr gerne Texturen oder verändere Farben, um eine andere Stimmung zu erzeugen.

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Immer wieder spannend, welche Kamera und Objektive verwendest du für deine Aufnahmen?

Ich fotografiere mit einer Nikon D7000 (das ist erst meine zweite Kamera, meine Erstanschaffung war die Nikon D60) und ich besitze zwar einige sehr gute Objektive (teils auch aus jener besagten Fototasche stammend) – aber ich fotografiere mittlerweile ausschließlich mit dem AF-S Micro NIKKOR 40mm 1:2.8G. Klingt langweilig, oder? Aber ich bin damit vollauf zufrieden und auch absolut kein Technik-Freak und es erfüllt alle meine Anforderungen.

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Seiner Zeit haben wir uns auf Behance kennengelernt. Nutzt du ausschließlich Behance als Plattform, wenn Ja, warum? Oder nutzt du auch noch andere Plattformen, um deine Werke zu präsentieren?

Ja, ich nutze ausschließlich Behance. Ich finde, es gibt momentan keine vergleichbare Plattform, die so einfach zu bedienen und zu pflegen ist und die so viele kreative Leute und ihre inspirierenden Arbeiten aus aller Welt versammelt – und mittlerweile habe ich da auch ganz wunderbare Menschen kennengelernt (auch persönlich und nicht nur virtuell) und einige Freundschaften geschlossen. Wenn ich ein Projekt auf Behance veröffentliche, wird zwar automatisch auch der Link auf facebook gepostet – aber das ist nur eine Randerscheinung, facebook wird von mir für die Fotografie ansonsten nicht genutzt und ist dafür auch nicht geeignet.

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Auf Behance haben sich schon sehr viele Projekte von dir angesammelt. Wie viel Zeit investierst du in die Pflege deiner Profile und Kontakte?

In die Pflege der Kontakte investiere ich schon recht viel Zeit, ich tausche mich sehr intensiv mit einigen ‚Behancern’ aus und hatte auch schon ein paar Gemeinschaftsprojekte. In die Pflege meiner Projekte investiere ich allerdings sehr wenig Zeit. Ab und zu schmeiße ich alte Projekte aus dem Portfolio, die –wie ich finde- nicht mehr zu mir passen, weil ich mich in eine ganz andere Richtung entwickelt habe. Aber ansonsten freue ich mich, wenn auch mal jemand ein älteres Projekt entdeckt und es wieder in Umlauf bringt.

So, und nun muss ich wieder ran an die Kamera, das Wochenende will genutzt werden :-) Vielen Dank, dass Du mir Gelegenheit gegeben hast, hier ein wenig über mich und meine Fotos zu plaudern, Patrik!

[hr]

Auch ich Danke Bettina, das sie sich den Fragen gestellt hat und mir so viele Bilder zur Verfügung gestellt hat, um sie euch zu zeigen. Vielen Dank. Ich würde mich freuen, wenn ihr Bettina auf ihrer behance-Seite besuchen würdet und vielleicht für das ein oder andere Projekt einen Daumen nach oben dalassen würdet.

Bettina Güber auf behance.net

Über den Autor:
Mein Name ist Patrik Spiesecke. Die Fotografie begleitet mich schon seit sehr vielen Jahren und wurde immer mehr zur Leidenschaft für mich. Sie regt einen zum verreisen an und lässt einen wunderbar entspannend. Um meine Erfahrungen mit der Welt zu teilen, habe ich irgendwann auch noch das bloggen für mich entdeckt.


4 Kommentare:

  1. Bettina Güber
    Mai 15, 2015
    Reply

    Herzlichen Dank nochmal, Patrik – das hat Spaß gemacht!! :-))

  2. Sven
    Mai 16, 2015
    Reply

    Tolles Interview!
    Finde es immer wieder interessant, wie andere Fotografen so zum Fotografieren gekommen sind und viel mehr noch, etwas über ihre Arbeiten und deren Entstehung zu lesen. Es ist mir immer wieder eine Freude, Bettina’s Werke anzusehen! :)

    • Bettina Güber
      Mai 16, 2015
      Reply

      Herzlichen Dank, Sven! Ich finde es auch immer sehr spannend, weil ich bei vielen denke, dass sie bestimmt mit der Kamera in der Hand geboren wurden :-)) Fand ich auch bei Deinem Interview sehr interessant! Und ich kann es nur zurückgeben – ich erfreue mich immer wieder an Deinen Projekten…und frage mich insgeheim ‚Wie macht der Sven das nur immer, dass er diese Atmosphäre da so festhält??‘ :-)))


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